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(Jean Paul)

Mutanten auf Andromeda

15.02.2015

Zum Inhalt

Buchcover

Der Sprung des Raumschiffs in eine andere Galaxie ist gelungen. Zum ersten Mal haben die Menschen der Erde den riesigen Abgrund zwischen unserer Milchstraße und dem Andromedanebel überwunden. Die Kosmonauten erforschen ein Planetensystem, von dem Jahre zuvor Signale empfangen worden waren.

Ein Planet scheint für Leben geeignet zu sein. Eine unbemannte Landerakete bestätigt, dass er die Heimat vernunftbegabter Lebewesen und vermeintliche Quelle der verstümmelten Signale ist. Die Kosmonauten registrieren starke radioaktive Strahlung. Schon mutmaßen sie, dass es in der Vergangenheit zu einer nuklearen Katastrophe gekommen sein muss.

Trotzdem suchen sie den Kontakt mit den Bewohnern der Welt und werden angegriffen.

Von einem Gebäude löst sich eine grünschimmernde Kugel und nähert sich pulsierend der Sonde, die kurz darauf in atomaren Entladungen zerbirst. Weitere Landeversuche werden durch mächtige Gravitationsfelder behindert.

Die Kosmonauten treffen auf Wesen mit kybernetischen Laufstelzen. Sie sind bekleidet mit weißen Umhängen und verhalten sich teilweise irrational. Sie benehmen sich wie Urmenschen, denen man übermächtige Technologie in die Hände gab, die sie nicht verstehen und nun bedenkenlos einsetzen.

"Arme" Koarnale Weiser Kosmonauten und Tier
  Illustrationen: ©  Werner Ruhner
 

Die Raumfahrer der Erde lernen eine Welt kennen, die den Keim der Vernichtung in sich trägt. Hochaufgeschossene radioaktive Schirmbäume, gewaltige Trompetenbüffel mit verkrüppelten Gliedmaßen und eine aus den Fugen geraten Ökologie zeigen das ganze Ausmaß der atomaren Katastrophe.

Als jedoch der Planet in einem atomaren Inferno unterzugehen droht, werden die rätselhaften Funksignale erneut empfangen. Werden die Kosmonauten deren Absendern begegnen und wie wird dieser Kontakt ablaufen?([1])

Hintergrund

„Mutanten auf Andromeda“ erschien 1974 erstmals als Vorabdruck in der „Berliner Zeitung“ in 95 Folgen und später in einem Band im Verlag Neues Leben Berlin.

Der Roman ist eines der ersten Werke des Schriftstellers Klaus Frühauf. Mit weiteren Romanen und Erzählungen machte er sich in den folgenden Jahren auf dem Gebiet der Science-Fiction der DDR einen Namen. Seine Bücher waren bei den Lesern sehr populär.

Persönliche Wertung

Der Roman besticht durch seine genaue Beschreibung der handelnden Personen.

Es ist interessant, die Raumfahrer bei ihrem Bemühen zur Kontaktaufnahme mit den Fremden zu begleiten. Treffend und anschaulich werden Frust und Unverständnis über das Verhalten der Anderen beschrieben. Auch Wut und Verzweiflung oder das Gefühl der Rache sind den Menschen der Zukunft nicht fremd. Diese beherrschen jedoch nicht ihr Handeln, dass meist von Logik und Mitgefühl geprägt ist.

Wenn bspw. der Hauptingenieur aufgrund seines Temperaments vor impulsivem Handeln durch seine Gefährten bewahrt wird, zeigt sich hier der gute Zusammenhalt der Gruppe. Sie geben aufeinander acht und ergänzen sich.

Man würde sich in einer solchen Gruppe sehr wohl fühlen. Die Helden von Frühaufs Roman sind überaus sympathisch. Das macht einen großen Reiz dieses Buches aus. Beim Lesen fühlt man sich als Teil der Mannschaft und folgt den Gefährten bereitwillig. Der Leser kann ihren Schmerz, ihre Sorgen aber auch ihre Freude nachvollziehen. Konflikte werden nicht ausgespart. Geschickt webt der Autor dabei auch Geschehnisse aus der Vergangenheit der Kosmonauten mit ein und so bleibt die Handlung nicht auf die Erlebnisse im Andromedanebel beschränkt.

Als sich der Raumschiffkommandant zur Rettung seiner Freunde entscheidet und sich dabei über alle Vorschriften hinwegsetzt, kam in mir spontan nur ein Gedanke auf: ,Stark! So muss ein Leiter, ein wahrer Anführer sein!'

Die Darstellung wissenschaftlicher Probleme gelingt dem Autor auf beeindruckende Weise. Seinen Versuch, beim Leser eine Vorstellung über eine vierte Dimension - bei ihm Interkosmos genannt - zu entwickeln, finde ich sehr inspirierend. Ebenso spricht Frühauf das Thema „Genmanipulation“ an. Bei ihm lehnen die Menschen der Zukunft das „Verbessern“ des menschlichen Genoms ab.

Die Gesellschaft auf Koarna ist leider nur sehr verkürzt dargestellt. Über das Zusammenleben der Fremden erfährt der Leser wenig. Dabei wäre es interessant, wie das Leben in einer Gesellschaft ohne das Problem des Hungers funktionierte. Die Reichen waren mit Luxusgütern und Vergnügungen übersättigt. Die Armen lebten dagegen, versorgt mit allem Nötigen, abseits in feuchten Höhlen. Sogar für ausreichend Ablenkung und Unterhaltung war gesorgt. Nicht der Unterschied im Lebensstandard führte zu Konflikten auf Koarna. Diese entzündeten sich an einzelnen Aktionen Wohlhabender, die aus Langeweile oder Gedankenlosigkeit Jagd auf Ärmere machten.

Wie das gesellschaftliche Leben nach der Machtübernahme durch die vormals Armen aussah, wird nicht beschrieben. Was war nun anders? Wurden aus den ehemals Armen die neuen Reichen? Wie leben die Koarnalen in ihrer neuen Heimat?

Eindrücklich schildert der Autor jedoch die Auswirkungen einer atomaren Katastrophe. Die gesamte Koarna ist davon betroffen. Das Leben danach ist wenn überhaupt nur noch kümmerlich und eine Fratze des Originals. Der Roman mahnt eindringlich vor den Folgen atomarer Konflikte und ist deshalb auch heute noch sehr aktuell.

Bei Frühauf siegt die Menschlichkeit über die Kräfte des Atoms. Das Hauptthema des Romans ist die Suche nach Erkenntnis. Das Streben nach Kontakt zu einer fremden Zivilisation geschieht friedlich und ist mit einem echten Interesse am Anderen und dem Fehlen von dominierendem Misstrauen geprägt. Dadurch unterscheidet sich der Roman von vielen anderen Vertretern dieses Genres.

Als der Roman einem immer dramatischeren Ende entgegenstrebt findet der Autor einen passenden und logischen Abschluss der Handlung. Eigentlich könnte es danach weiter gehen. Dem Leser bleibt nur, von den nachfolgenden Ereignissen zu träumen …

Zum Buch

Titel: Mutanten auf Andromeda
Autor: Klaus Frühauf
Verlag: Verlag Neues Leben Berlin 1980
Seitenzahl: 285
Ausgabe: Kartoniert (fester Einband), Band 162 „Spannend Erzählt“

Quellen

[1] Die Einführung zu Band 179 der Kompass-Bücherei wurde mit eigenen Gedanken erweitert.

[2] Mutanten auf Andromeda – Klaus Frühauf, Verlag Neues Leben 1980, Reihe „Spannend Erzählt“

[3] Mutanten auf Andromeda – Klaus Frühauf, Verlag Neues Leben 1974, Kompass-Bücherei 179

[4] Die große illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR, SHAYOL Verlag Ronald Hoppe 2002

Das Buchcover ist eine Grafik von Werner Ruhner.

Die Illustrationen stammen aus "Mutanten auf Andromeda" – Klaus Frühauf, Verlag Neues Leben 1974, Kompass-Bücherei 179 und wurden von Werner Ruhner gezeichnet.

("Arme" Koarnale - Seite 66, Weiser - Seite 81, Kosmonauten und Tier - Seite 203)

Weitere und noch schönere Illustrationen finden sich in "Mutanten auf Andromeda" – Klaus Frühauf, Verlag Neues Leben 1980, Reihe „Spannend Erzählt“.

 

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