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(Jean Paul)

Sechs Streichhölzer

22.02.2015

Zum Inhalt

Professor Komlin
Grafiken: © B. Alimov

Professor Komlin, ein angesehener Mitarbeiter des Zentralinstituts für Hirnforschung, wird bewusstlos in seinem Arbeitszimmer aufgefunden.

Wenig später trifft Arbeitsschutzinspektor Rybnikow ein und beginnt mit den Untersuchungen. Institutsleiter und Mitarbeiter begegnen ihm mit Misstrauen. Trotzdem kommt Rybnikow schnell dahinter, dass Komlin seit einigen Wochen mit einem Neutrino-Generator experimentiert haben muss.

Der Verlauf der Experimente und die Ursachen des Unfalls sind unklar, die Untersuchung beginnt schleppend. Rybnikow kann sich nur auf lückenhafte Aufzeichnungen des Professors und die Aussagen seines Assistenten Gortschinski stützen.

Komlin stand kurz vor einer spektakulären Entdeckung. Die Bestrahlung des Gehirns mit Neutrinostrahlen steigert scheinbar die körperlichen und geistigen Fähigkeiten eines Menschen!

Sechs Streichhölzer

Seine riskanten Selbstversuche liefern ungewöhnliche Ergebnisse: Wunden heilen innerhalb kürzester Zeit, Gifte verlieren ihre Wirkung. Komlin kann plötzlich mehrstellige Zahlen mit Leichtigkeit im Kopf multiplizieren. Im Nu prägt er sich seitenlange Texte Wort für Wort ein. Am meisten ist Komlin verblüfft, dass er Gegenstände durch reine Willenskraft bewegen kann. Jedoch fordern die neu gewonnenen Fähigkeiten ihren Tribut: erschöpft bricht Komlin zusammen.

Glücklicherweise erholt sich der Professor nach einigen Tagen wieder. Inspektor Rybnikow schreibt seinen Bericht und verlässt das Institut.

Hintergrund

Die Erzählung „Sechs Streichhölzer“ erschien 1959 im Original in russischer Sprache. Auf Deutsch wurde sie in den 1960er Jahren in verschiedenen Anthologien veröffentlicht.

Im Mittagszyklus der Strugatzkis lässt sich die Handlung in die Zeit der 1970er Jahre einordnen. Jedoch haben Arkadi und Boris Strugatzki es stets vermieden, konkrete Angaben über die zeitliche Einordnung ihrer Romane und Erzählungen zu machen.

Forschungen zur Stärkung der Widerstandskraft des menschlichen Körpers sind ein Thema der Autoren, dass in späteren Romanen wieder aufgegriffen wird.

Persönliche Wertung

Die Erzählung „Sechs Streichhölzer“ wirft einen Blick auf die nähere Zukunft, wie sie sich Arkadi und Boris Strugatzki Ende der 1950er Jahre vorstellten.

Der Leser erlebt die Arbeit an einem Forschungsinstitut. Die Mitarbeiter sind motiviert, ganz von der Arbeit erfüllt. Dabei achten sie oft zu wenig auf sich und geraten in Gefahr. Diese Einstellung erscheint heute vielleicht etwas idealistisch und naiv.

Die Bedingungen am Institut sind jedoch erstklassig: Auf den Forschern lastet kein materiellen Druck, es gibt keinen Kampf um Forschungsgelder oder Arbeitsplätze. Es ist einfach die Freude an der Arbeit, die die meisten Mitarbeiter motiviert, engagiert und voller Enthusiasmus ihrer Tätigkeit nachzugehen. 

Bei ihrem Streben nach Erkenntnis müssen die Forscher manchmal vor sich selbst geschützt werden. Genau diese Aufgabe übernimmt die Verwaltung für Arbeitsschutz. Inspektor Rybnikow geht es nicht um die Schuldfrage. Er ist nicht auf der Suche nach Schlamperei oder Leichtsinn. Ruhig und beharrlich untersucht er den Unfall. Er will die Zusammenhänge verstehen. Was wurde erreicht? Hatte der mutige Einsatz des Professors Erfolg? Nichts soll verloren gehen!

Sein Handeln wird nur von der Überzeugung angetrieben: Wenn ein Mensch sich oder seine Gesundheit opfert, soll es nicht umsonst gewesen sein. Denn das Wichtigste ist der Mensch! Dieser Gedanke voll tiefer Menschlichkeit macht diese Erzählung der Strugatzkis so wertvoll.

Zum Buch

Russischer Originaltitel:  Шесть Спичек (Sechs Streichhölzer)
Autoren:  Arkadi und Boris Strugatzki (auch Strugazki)
Erschienen in:  Marsmenschen - Kosmische und Kybernetische Abenteuer
Verlag:  Verlag Neues Leben Berlin 1966
Seitenzahl:  383
Ausgabe:  Hardcover mit Schutzumschlag

Quellen

[1] Marsmenschen - Kosmische und Kybernetische Abenteuer, Verlag Neues Leben Berlin 1966

Die Zeichnungen von:

Die Veröffentlichung der Zeichnungen in dieser Rezension erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch Vladimir Borisov (Redakteur der Seite "Фантасты братья Стругацкие").

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