Life in the 22nd Century

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„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne“mylogo

(Jean Paul)

Der Mittags-Zyklus der Strugatzkis

Der Mittags-Zyklus ist ein fiktiver Weltentwurf in dem eine Reihe von Science-Fiction-Romanen der Autoren Arkadi und Boris Strugatzki angesiedelt sind. Ursprünglich hatten die Brüder so etwas nicht geplant. Jedoch verwendeten sie Charaktere und Ideen aus vorherigen Romanen wieder, vor allem, wenn es sich als nützlich erwies. Erst später begannen sie, Themen und Handlungsfäden aus verschiedenen Romanen zusammenzuführen, um neue Geschichten zu schreiben. Der Zukunftszyklus „Mittag, 22. Jahrhundert“ entspricht ihrer Vorstellung vom Leben der Menschen im Kommunismus. Im Englischen findet man auch den Begriff Noon-Universum.

Was die Autoren unter dem Begriff Kommunismus in den 1960er Jahren verstanden hat Boris Strugatzki einmal so formuliert:

„Die Wörter »Kommunismus«, »Kommunist«, »Kommunarde« bedeuteten uns damals viel. Insbesondere bedeuteten sie ein lichtes Ziel und reine Absichten. Wir brauchten gut ein Jahrzehnt, um zu begreifen, was wirklich los war… Dass der sowjetische Kommunismus und der Kommunismus, wie wir ihn verstanden, nicht mehr gemein hatten als eine Brillenschlange und die Intelligenz … Damals, zu Beginn der Sechzigerjahre, war »Kommunismus« für uns ein klares, funkelndes, absolutes Wort und bedeutete die Welt, in der man gern leben und arbeiten möchte.“ ([2] S. 641/642)

Die Grundzüge der von ihnen dargestellten zukünftigen Gesellschaft lassen sich wie folgt beschreiben:

  • In dieser Welt ist jeder Bürger frei von ökonomischen Zwängen, das Geldsystem existiert nicht mehr.
  • Wissen stellt das höchste Gut dar. Lehrer übernehmen die Erziehung der jungen Generation. Der Bordingenieur Shilin formuliert in „Praktikanten“ deren Aufgabe so: „Früher galt es vor allem dem Menschen die Freiheit zu geben, das zu werden, was er sein will. Jetzt aber heißt es, ihm zu zeigen, wie er werden muss, damit er wie ein richtiger Mensch glücklich werden kann.“ ([1], S. 132)
  • Die Menschheit ist geeint, es herrscht Frieden auf der Erde und jedem Bewohner ist ein hoher Lebensstandard garantiert. Jedem Menschen steht es frei, sich einzubringen und eine sinnvolle und interessante Aufgabe zu finden. Der Sinn des Lebens wird darin verstanden, tätig zu sein und seinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
  • Die Menschheit weitet ihren Lebensraum auf andere Planeten aus. Mit außerirdischen Lebensformen wird ein friedliches Zusammenleben angestrebt.

Arkadi und Boris Strugatzki entschieden sich:

„…, dass wir keineswegs eine Welt entwarfen, wie sie sein soll, und schon gar nicht die Welt, wie sie irgendwann unbedingt sein wird, sondern eine Welt, in der wir gern leben und arbeiten würden – und weiter nichts. Wir entbanden uns völlig von der Pflicht, die Möglichkeit oder gar Unvermeidlichkeit solch einer Welt zu beweisen. Aber dabei blieb unsere wichtigste Aufgabe natürlich, diese Welt möglichst glaubwürdig zu machen, ohne zu dick aufzutragen, ohne logische Widersprüche, ohne Talmi-Begeisterung und soziales Schöntun.“ ([2] S. 634)

Viele Merkmale dieser Zukunftswelt ähneln denen anderer utopischer Welten, wie zum Beispiel dem Star Trek – Universum nach Gene Roddenberry. Auch auf Anarres in „Planet der Habenichtse“ von Ursula K. Le Guin wird die Entstehung einer Gesellschaft nach ähnlichen Prinzipien angestrebt.

Einige Romane und Erzählungen spielen in der Zeit des Übergangs zur „Welt des Mittag“, können jedoch aufgrund ihrer Handlung und Charaktere als Vorgeschichte und damit als zum Zukunftszyklus gehörig angesehen werden. Bspw. unternimmt Alexej Bykows Enkel einen Langzeitflug, der ihn erst nach Jahrzehnten zur Erde zurückkehren lässt, mitten in die Welt des „Mittag, 22. Jahrhundert"....

Quellen

[1] Praktikanten - Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin 1994

[2] Gesammelte Werke 4, A. u. B. Strugatzki, WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN 2012

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