Life in the 22nd Century

Living in a better world!

Motto

Lesenswerte SF-Literatur entdecken und vorstellen.

„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne“mylogo

(Jean Paul)

Warum haben wir noch keine Aliens gefunden?

06.07.2017

Radioteleskop am Green-Bank-ObservatoriumDas Alter unseres Universums soll rund 13,8 Milliarden Jahren betragen und allein in unserer Milchstraße gibt es 200 Milliarden Sterne - „Wenn wir die Einzigen im Universum sind, ist das eine ziemliche Platzverschwendung.“ (Ted Arroway zu seiner kleinen Tochter Ellie im Film „Contact“)

Schon Enrico Fermi fragte sich im Jahr 1950, warum wir aufgrund dieser Zahlen noch keine Spuren außerirdischen Lebens gefunden haben. Ihm blieb nur die Erkenntnis (kurz zusammengefasst), dass „unser Verständnis oder unsere Beobachtungen fehlerhaft oder unvollständig sind.“ ([1])

Ross Pomeroy, Chefredakteur der Seite „RealClearScience“ hat zwölf Gründe formuliert, warum wir noch auf keine Aliens oder deren Spuren gestoßen sind.

Hier sind sie mit einigen Anmerkungen von mir:

1. Es gibt kein außerirdisches Leben.

Ich glaube wir sollten diese Egozentrik und den Glauben, die Erde wäre das Zentrum des Universums, überwunden haben. Unsere bisherigen Versuche, außerirdisches Leben zu suchen, sind im Vergleich zur Größe des Universums überaus bescheiden und unbedeutend.

2. Wir sind die einzige intelligente Spezies im Universum.

Dass der Mensch intelligent sei, ist unsere eigene Einschätzung. Fremde Intelligenz kann auf ganz anderen Prinzipien beruhen.
Die Schriftsteller Arkadi und Boris Strugatzki beschreiben bspw. eine Spezies vernunftbegabter Schnecken. Ein Kontakt mit ihnen ist unmöglich. Sie halten die irdischen Raumfahrer und deren Technologie für Illusionen ihrer eigenen Phantasie.
Und Rainer Fuhrmann stellt seinen Lesern in „Die Untersuchung“ intelligente Kristalle vor, die den Kontakt suchen, der jedoch als solcher nicht erkannt wird.

3. Den Aliens fehlt die Technik zur Kontaktaufnahme.

Ohne Radiowellen und entsprechende Technik sie zu senden oder empfangen ist keine Verständigung über große Entfernungen möglich. Die Fremden müssten natürlich auch ein Interesse haben, den Blick nach außen zu wagen. Bleibt ihr Denken und Trachten auf die eigene Welt beschränkt, wird es kaum zum Kontakt mit uns kommen. Die Leonidaner aus dem Roman „Mittag, 22. Jahrhundert“ der Strugatzkis sind eine humanoide außerirdische Rasse, die in einer vollkommenen Symbiose mit der Biosphäre des Planeten lebt. Sie verschwenden scheinbar keinen Gedanken an Orte außerhalb ihres Planeten.

4. Intelligentes Leben zerstört sich selbst.

Die Menschheit stand in der Vergangenheit schon einige Male kurz davor, sich selbst zu vernichten. Erinnert sei an den Herbst des Jahres 1983 als es fast zum Ausbruch eines Atomkrieges gekommen wäre. Zurzeit tun wir wenig, damit unsere Erde auch in einhundert Jahren noch Leben, so wie wir es kennen, tragen kann. Warum soll es den Aliens besser ergehen als uns?

5. Das Universum ist tödlich.

Über einen langen Zeitraum betrachtet, kann Leben nur eine kurzweilige Erscheinungsform auf einem Planeten sein. Das Schicksal der Dinosaurier, die über Jahrmillionen die dominierende Lebensform waren, macht deutlich, dass wir vielleicht gerade in einer besonders günstigen Phase der Erdgeschichte leben.

6. Die Entfernungen zwischen den Sternen sind unvorstellbar groß.

Unsere Milchstraße hat einen Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren. Eine Botschaft der Fremden, die mit Lichtgeschwindigkeit reist, hat uns einfach noch nicht erreicht. Zudem wird das Signal auf dem Weg zur Erde immer schwächer, die Strahlung wird gleichsam verdünnt.

7. Wir suchen einfach noch nicht lange genug.

Erst seit den 1980er Jahren betreiben wir SETI-Forschung und richten Radioteleskope zum Himmel um Botschaften aus der Ferne zu empfangen. Es kann noch lange dauern, bis wir etwas entdecken.

8. Wir suchen nicht am richtigen Ort.

Wir kennen weder die Richtung, aus der ein Signal kommen könnte, noch die Frequenz, auf der es gesendet wird. Selbst für zwei Funker ist eine gegenseitige Kontaktaufnahme sehr schwer bzw. würde sehr lange brauchen, hätten sie sich nicht vorher auf eine Frequenz geeinigt.
Außerdem konzentriert sich das SETI-Projekt auf das Absuchen bestimmter vielversprechende Abschnitte des Himmels. Wenn da aber nun niemand ist?

9. Die Aliens sind technisch viel weiter als wir.

Sie benutzen inzwischen viel modernere Technik, kommunizieren mit Neutrino-Strahlung oder besitzen ein Ansible (Ursula K. Le Guin – „Hainish-Zyklus“) zur zeitgleichen Verständigung über riesige Entfernungen. Unsere aktuelle Sende- und Empfangstechnik ist für sie nur noch „kalter Kaffee“ und steht im Museum.

10. Die Aliens senden nicht.

Wenn nur jeder hört und nicht sendet, gibt es auch keinen Kontakt. Die Menschheit selbst hat bis jetzt nur wenige Versuche unternommen, eine Botschaft gezielt ins All zu senden. Unsere Radio- und Fernsehsignale können nur in einer relativ geringen Entfernung noch empfangen werden.
Dann gibt es diejenigen, die vor einer Botschaft an die Aliens warnen. Außerirdische werden in aktueller Science-Fiction mehr aggressiv als freundlich dargestellt. Rühmliche Ausnahme ist für mich der Film „Arrival“, der das gesamte Maß an Beschränktheit und Paranoia unserer eigenen Spezies vor Augen führt.

11. Der Kontakt wird ganz bewusst vermieden.

Vielleicht haben die Fremden so etwas wie die Hauptdirektive des Star-Trek-Universums und wir sind noch nicht „reif“ für die Kontaktaufnahme? Schaut man sich unsere Welt genau an und wie wir damit umgehen, kann man die Aliens schon verstehen, warum sie vorläufig an einem Kontakt mit uns nicht interessiert sind.

12. Die Aliens sind bereits mitten unter uns, wir können sie nur nicht erkennen.

Hier kommen nun die Verschwörungstheorien ins Spiel. Vor allem wenn man Regierungen unterstellt, sie hielten Außerirdische verborgen oder diese hätten bereits die Macht übernommen.
Über einen außerirdischen Beobachter, der nur zuschaut und nicht helfend eingreift, wären wir jedoch auch nicht besonders glücklich. Etwas Vergleichbares erlebt der irdischen Beobachter Anton Malyschew in „Es ist nicht leicht ein Gott zu sein“. Der hat es jedoch nicht ausgehalten, nur dabei zu stehen und zuzusehen.

Quellen

[1] Die deutsche Wikipedia - der Artikel Fermi-Paradoxon (Stand 06.07.2017)

[2] 12 Possible Reasons We Haven't Found Aliens By Ross PomeroyBy Ross Pomeroy

[3] Das Bild - Radioteleskop am Green-Bank-Observatorium Wikipedia (Lizenz - gemeinfrei)

1000 Buchstaben übrig


Lifeinthe22ndcenturylogo