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(Jean Paul)

220 Tage im Weltraumschiff

14.08.2013

Zum Inhalt

220 Tage im Weltraumschiff

Eine Gruppe von vier Raumfahrern unternimmt einen siebenmonatigen Flug durch das Sonnensystem. An Bord der "SSSR-KS2" befinden sich der Kommandant Kamow, der Astrophysiker Paitschadse, der Astronom Belopolski und der Journalist Melnikow.

Ihr Weg führt sie sehr nah an die Venusoberfläche heran. Die Forscher entdecken riesige Wasserflächen und pflanzliches Leben. Nach einigen Überflügen lassen sie den Planeten hinter sich, eine genauere Untersuchung der Venus soll folgenden Expeditionen überlassen bleiben.

Vor ihnen liegt das eigentliche Ziel - der rote Planet! Als sie dort ankommen, bleiben nur vier Tage für die Erkundung der näheren Umgebung. Schier endlose Wüsten, bodenlose Sümpfe, gewaltige Sandstürme, ungewöhnliche Pflanzen und aggressive Springechsen machen den Aufenthalt auf dem Planeten zu einem gefährlichen Unterfangen und stellen die Raumfahrer jeden Tag vor neue Herausforderungen.

Flugroute Kamow und Melnikow Schwerelosigkeit
  Grafiken: © Л.Я.Рубинштейн 
 

Auch ein amerikanisches Raumschiff verlässt wenige Tage nach der "SSSR-KS2" die Erde. Charles Hapgood und sein Begleiter Bason wollen aus Prestigegründen vor der sowjetischen Expedition auf dem Mars landen. Ihr Schiff hat einen stärkeren Antrieb, verspätet sich jedoch um einen Tag. Bei ihrem ersten Ausflug werden die Amerikaner von einer Springechse angefallen. Hapgood wird getötet. Sein Begleiter ist verzweifelt, denn er kann das Schiff nicht steuern!

Hapgood und Bason Springechse erlegt
Grafiken: © Л.Я.Рубинштейн
 

 

Die sowjetischen Forscher unternehmen mit einem Geländewagen verschiedene Erkundungsfahrten und entdecken das Schiff der Amerikaner. Hapgoods Begleiter versucht, Kamow festzunehmen und zu zwingen, das amerikanische Schiff zur Erde zurückzufliegen. Sein Vorhaben misslingt, er wird überwältigt und zur "SSSR-KS2" mitgenommen.

Bason bedroht Kamow Kamow in Gefahr
Grafiken: © Л.Я.Рубинштейн
 

Kurz vor dem Abflug klettert Kamow auf eine ungewöhnliche Gesteinsformation. Plötzlich sind die Felsen von vielen Springechsen umgeben. Der Weg zum Geländewagen ist versperrt. Er kann nicht zum Raumschiff zurück. Die Männer müssen jedoch zur festgesetzten Zeit starten, sonst erreichen sie die Erde nicht und das Unternehmen wäre zum Scheitern verurteilt. Die Stunden und Minuten verrinnen, Kamow kann seinen Zufluchtsort nicht verlassen. Schweren Herzens befolgen die Kameraden seinen früher ausgegebenen Befehl und starten pünktlich.

Auf dem Rückflug herrscht an Bord eine bedrückende Atmosphäre. Die Ungewissheit über Kamows Schicksal lastet schwer auf den Kameraden. Auf der Erde gelandet, ist es jedoch ihr Kommandant, den sie als einen der ersten voller Glück in die Arme schließen können.

Rückkehr zur Erde
Grafik: © Л.Я.Рубинштейн

Die Expedition war erfolgreich, Flüge zur Venus und den anderen Planeten des Sonnensystems werden folgen und die Geheimnisse des Kosmos immer weiter gelüftet ...

Hintergrund

Der Roman "220 Tage im Weltraumschiff" erschien 1955 auf Russisch. Im Jahr 1957 erfolgte die Erstveröffentlichung auf Deutsch und später gab es mehrere Auflagen. Georgi Martynow war bei den SF-Lesern der damaligen Zeit sehr beliebt.

Zusammen mit den Romanen "Die Schwester der Erde" und "Das Erbe der Phaetonen" (auf Deutsch beide zusammen als "Das Erbe der Phaetonen" ) gehört "220 Tage im Weltraumschiff" zum Zukunfts-Zyklus "Звездоплаватели" (deutsch "Die durch den kosmischen Raum zu den Sternen fliegen").

Im später veröffentlichten Werk "Die Rückkehr der Phaetonen" werden weitere Kontakte der Menschen mit den Phaetonen beschrieben.

Die im Roman dargestellten Umweltverhältnisse auf der Venus und dem Mars entsprechen dem Wissenstand der 1950er Jahre. Erst in den 1960er Jahren erreichten Sonden die beiden Planeten und zeichneten ein ganz anderes Bild als wir es uns vorgestellt hatten.

Persönliche Wertung

Dem vor fast 60 Jahren geschriebenen Roman gebührt zusammen mit seinen Fortsetzungen ein Platz in der Sammlung eines jeden an Science-Fiction Interessierten. Der Autor verzichtet fast vollständig auf die damals in der Ost-SF häufig anzutreffenden Kabbeleien zwischen Ost und West. Nur das rein sportliche Interesse Charles Hapgoods, der Erste auf dem Mars sein zu wollen und der Hang seines Begleiters zu Hochprozentigem (Alkohol statt Sauerstoff!) verwundern etwas.

Die Handlung beginnt etwas gemächlich, um gegen Ende so rasante Fahrt aufzunehmen, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen mag.

Das Verhalten der Hauptfiguren ist vorbildlich. Trotz ihrer Professionalität und Ernsthaftigkeit strahlen sie Wärme und Freundlichkeit aus. Selbst der anfangs etwas wortkarge Belopolski taut nach einiger Zeit auf, und alle vier wachsen zu einer echten Schicksalsgemeinschaft zusammen.

Die wichtigste Bezugsperson für den Leser ist anfangs sicherlich Melnikow. Der Leser kann sich in diese Romanfigur bestens hineindenken. Der junge Mann ist noch etwas unerfahren und unsicher, jedoch auch voller Interesse an Technik und aufregenden Abenteuern.  Der Autor bedient sich dabei eines sehr beliebten Kniffs. Die erfahrenen Raumfahrer vermitteln dem neuen Expeditionsmitglied das nötige Wissen über Raumschifftechnik und Astronomie. Auf sehr unterhaltsame Weise gewinnt der Leser so neueste wissenschaftliche Kenntnisse.

Der Roman kommt ohne die in aktueller Science-Fiction sehr häufig anzutreffende Gewaltdarstellung aus. Konflikte ergeben sich in der Auseinandersetzung mit der fremden Biosphäre des Mars und die üblichen Gefährdungen beim Flug durch das Weltall.

Die für mich überzeugendste Stelle des Romans ist die Schilderung der Situation, in der  Kamow nicht rechtzeitig zum Raumschiff zurückkehren kann. Die Kameraden überfliegen nach dem Start seinen möglichen Aufenthaltsort und suchen ihn. Er verbirgt sich, damit sie den Rückflug zur Erde nicht noch weiter verzögern. Seine Gefühle, seine Zerrissenheit zwischen Überlebenswillen und Verantwortung werden glaubhaft beschrieben und so der Leser einbezogen. Hier bewegt sich die Darstellung weg vom lockeren und leichten Stil eines Abenteuerromans, gewinnt an Ernsthaftigkeit und lässt so das Buch aus dem Bereich der trivialen Unterhaltungs-SF hervorragen. In dieser Sequenz wird das Potential des Autors spürbar. Die folgenden Werke Georgi Martynows zeichnen sich durch noch größere Qualität in Unterhaltungswert und Sprache aus. Darin liegt auch seine große Beliebtheit bei den Lesern wissenschaftlich-phantastischer Literatur begründet.

Zum Buch

Russischer Originaltitel: 220 дней на звездолёте
Originaltitel: 220 Tage im Weltraumschiff
Autor: Georgi Martynow
Deutsch: Erich Ahrndt
Verlag: Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1957
Seitenzahl: 267
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag

Quellen

[1] 220 Tage im Weltraumschiff - Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1957

[2] Звездоплаватели - Лениздат, 1960

Das Buchcover ist die Grafik eines unbekannten Malers.

Die Illustrationen stammen aus der russischen Originalausgabe des Buches Звездоплаватели - Лениздат, 1960 und sind Grafiken des Malers Л.Я.Рубинштейн.

Die Informationen und Illustrationen der russischen Originalausgabe stammen von ПУБЛИЧНАЯ БИБЛИОТЕКА.

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