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(Jean Paul)

Ein Käfer im Ameisenhaufen

18.05.2011

Der Roman „Ein Käfer im Ameisenhaufen" stellt den zweiten Teil der dreiteiligen Maxim-Kammerer-Reihe dar.

Zum Inhalt

Maxim und Lew
© Valter Edgar

Lew Albakin, ein überaus erfolgreicher und talentierter Agent der Erde, hat seinen Einsatzort im Inselimperium auf dem Planeten Saraksch verlassen. Ein Arzt, zu ihm gesandt, um eine Routineuntersuchung an ihm vorzunehmen, wurde enttarnt und getötet. Albakin flieht daraufhin zur Erde, nimmt aber keinen Kontakt mit seiner Dienststelle auf, sondern hält sich verborgen.

Maxim Kammerer, der Held aus „Die bewohnte Insel", ist mittlerweile 40 Jahre alt und Mitarbeiter der KomKon-2 auf der Erde.

Sikorsky und Maxim Albakin mit Wepl Maxim und Mascha
 © Valter Edgar

Sein Vorgesetzter Rudolf Sikorsky, erteilt ihm den Auftrag, Lew Albakin zu suchen. Maxim kennt weder die Gründe für Albakins Verhalten noch die seines eigenen Vorgesetzten.

Lew und Wepl Kinder gefunden Gesprcäh mit den Einheimischen
© Valter Edgar

Im Zuge der Nachforschungen trifft sich Maxim mit Freunden und Bekannten Albakins. Er gewinnt ein nur fragmentarisches Bild vom Leben und der Persönlichkeit des Gesuchten. Weiterhin stößt er auf ein sogenanntes Persönlichkeitsgeheimnis. Ein solches Geheimnis ist so vertraulich, dass selbst die betreffende Person nichts davon weiß.

Mascha und Lew Albakin mit Wepl Maxim und Sikorsky
© Valter Edgar

Des Weiteren stellt Kammerer fest, dass die gesamte Entwicklung seiner Zielperson von Geburt an gelenkt und überwacht wurde. Albakin wurde zum Progressor ausgebildet, obwohl er in seiner Kindheit und Jugend ganz andere Interessen und Neigungen zeigte. Es wurde scheinbar alles unternommen, um ihn von der Erde fern zu halten.

Entdeckung des Sarkophags mit den Findelkindern Albakin bei Sikorsky Albakin stirbt
© Valter Edgar

Als er endlich die volle Wahrheit über einen Vorgang erfährt, der in den 30er Jahren des 22. Jahrhunderts seinen Anfang nahm, bleiben ihm nur wenige Möglichkeiten, eine Tragödie zu verhindern...

Hintergrund

Der Roman erschien 1979 erstmals in Russisch.

Rund 20 Jahre sind seit Maxims erstem Aufenthalt auf dem Saraksch vergangen. Nachdem er seine Arbeit in der „Gruppe für Freie Suche" beendet hatte, bildete man ihn zum Progressor aus. Progressoren weisen besondere physische und psychische Fähigkeiten auf. Sie sind reaktionsschnell, verfügen über große Körperkräfte und überlegene Fähigkeiten der Täuschung und Verstellung.

Die Aufgabe der so bezeichneten Agenten der Erde besteht in der positiven Beeinflussung der Entwicklung fremder Zivilisation. Ihre Tätigkeit steht damit im Gegensatz zur „obersten Direktive", die SF-Anhänger aus Star Trek kennen.

Neben der Kommission für Kontakte mit außerirdischen Zivilisationen (KomKon) wurde im 22. Jahrhundert auch eine Art Geheimdienst, die Kommission für Kontrolle (KomKon 2) gegründet. Diese Organisation hat für die Sicherheit der menschlichen Zivilisation im Hinblick auf das Einwirken außerirdischer Rassen zu sorgen.

In den 30er Jahren fand die Operation „Spiegel" statt, ein Manöver zur Abwehr einer möglichen Aggression von außen. Verantwortlich für diese Aktion war Rudolf Sikorsky. Später leitete Maxims Chef viele Jahre die Tätigkeit der Progressoren auf dem Saraksch. Er kennt das Persönlichkeitsgeheimnis um Albakin. Sikorsky erwartet deshalb nicht ohne Grund, dass auch die Erdzivilisation unter den Einfluss einer außerirdischen Macht, der sogenannten Wanderer, geraten könnte. Die Menschheit hatte bis jetzt noch keinen Kontakt zu dieser hochentwickelten Superzivilisation. Es wurden nur ihre Spuren in Form von Ruinen auf dem Mars und einer verlassenen Raumstationen um die Wladislawa im Sternensystem EN 17 gefunden.

Das tragische Ende des Romans führte in den 80er Jahren zu heftigen Diskussionen in sowjetischen SF-Klubs. Über die literarische Figur Rudolf Sikorsky wurden regelrechte „Gerichtsverhandlungen" abgehalten. (Erik Simon in [2], S. 32)

Persönliche Wertung

Auch dieses Buch der Maxim-Kammerer-Reihe lese ich immer wieder gern. Der Roman verbindet eine kriminalistische Untersuchung mit einer Handlung, die in der Zukunft liegt, zu einer Art SF-Krimi. Aber im Gegensatz zu einem richtigen Kriminalroman, in dem am Ende nichts ungeklärt bleibt, lassen die Strugatzkis einige Handlungsstränge offen. Es wird dem aufmerksamen Leser überlassen, diese Stellen durch seine eigene Vorstellung zu füllen.

Der spannende Roman regt durch die darin aufgeworfenen Fragen zum Nachdenken an:

  • Woher nimmt die Menschheit das Recht, mit Hilfe von Progressoren das Schicksal anderer Zivilisationen zu beeinflussen?
  • Wie verhalten wir uns, wenn wir selbst das Ziel von Progressor-Tätigkeiten werden?
  • Welche Einstellung haben die "Wanderer" zur Menschheit – ist sie positiv oder negativ?
  • Droht die Unterwanderung der Menschheit durch Progressoren der "Wanderer"?
  • Welche Konsequenzen hätte es gehabt, wäre Albakin mit seinem „Zünder" in Kontakt gekommen?
  • Verläuft die Entwicklung auf der Erde richtig oder benötigt sie gelegentlich eine Korrektur von außen?

Der Roman, erschienen Ende der 70er Jahre, ist sehr modern. Maxim benutzt zum Beispiel für seine Recherche das sogenannte „Große Gesamtplanetare Informatorium" (GGI), eine Art weltumspannendes Internet.

„Ein Käfer im Ameisenhaufen" fügt sich wunderbar in die Welt des „Mittag" ein und entwickelt diese Zukunftswelt weiter. Einige ungeklärte Zusammenhänge des ersten Teils werden aufgelöst. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Zivilisationen, mit denen die Erde Kontakt hat, werden dargestellt und der Leser erfährt neue und aufschlussreiche Details.

Interessant und auch sehr bedrückend finde ich die Darstellung des Schicksals der Zivilisation auf dem Planeten Esperanza. Die Einwohner dieses Planeten hatten die Kontrolle über ihre technologische Entwicklung verloren und das ökologische Gleichgewicht unwiederbringlich zerstört. Die Zivilisation war dem Untergang geweiht. In diesem Moment griffen die "Wanderer" ein und evakuierten fast die gesamte Bevölkerung des Planeten durch interspatiale Tunnel. Es ist nur nicht ganz klar, ob die Bewohner vor dem Planeten oder der Planet vor ihnen gerettet wurden.

Ich kann diesen Roman mit dem gewissen Anspruch nur empfehlen! Er ist überaus lesenswert!

Zum Buch

Russischer Originaltitel: Жук в муравейнике (Käfer im Ameisenhaufen)
Autoren: Arkadi und Boris Strugatzki (auch Strugazki)
Deutsch: Mike Noris (ergänzt von Erik Simon)
Verlag: WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN 2010
Seitenzahl: 240
Ausgabe: Paperback

Quellen

[1] Gesammelte Werke 1 – A. u. B. Strugatzki, WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN 2010

[2] Quarber Merkur 93/94 - Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für SF und Phantastik

Die Zeichnungen von:

Die Veröffentlichung der Zeichnungen erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch Vladimir Borisov (Redakteur der Seite "Фантасты братья Стругацкие").

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